Nur ein Bruchteil der Nutzer trifft beim ersten Besuch einer Website eine Entscheidung. Die meisten schauen sich um, vergleichen, lassen sich ablenken – und verschwinden wieder. Doch das bedeutet nicht, dass sie verloren sind. Remarketing nutzt genau diese Lücke im Entscheidungsprozess und spricht Nutzer gezielt erneut an.
In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die Mechanismen, die Menschen zur Rückkehr bewegen – und wie Unternehmen sie sinnvoll nutzen können.
Customer Journey – Nutzerverhalten im Prozess verstehen
Viele Nutzer verlassen eine Website, ohne zu kaufen oder eine Anfrage zu stellen – und das ist völlig normal. Kaufentscheidungen fallen oft nicht spontan, sondern sind Teil eines längeren Prozesses, der Customer Journey. Gerade im Online-Bereich vergleichen Nutzer Angebote, holen Meinungen ein oder überlegen schlicht noch, ob das Produkt wirklich zu ihnen passt.
Warum Nutzer nicht sofort konvertieren
Es gibt zahlreiche Gründe, warum Besucher abspringen:
- Ablenkung: Eine Nachricht, ein Anruf oder der Feierabend – externe Reize unterbrechen häufig die Customer Journey.
- Unsicherheit: Nutzer zweifeln vielleicht noch an Preis, Produkt oder Anbieter.
- Zu viele Optionen: Wer die Qual der Wahl hat, entscheidet sich oft für gar nichts.
- Fehlende Dringlichkeit: Ohne zeitlichen Druck gibt es keinen Grund, jetzt zu handeln.
Das bedeutet nicht, dass kein Interesse besteht – sondern nur, dass der richtige Impuls zur richtigen Zeit noch fehlt. Und genau da setzt Remarketing an.
Psychologische Effekte, die Remarketing wirksam machen
Remarketing spricht gezielt psychologische Muster an, die unser Verhalten im digitalen Raum beeinflussen. Viele dieser Prinzipien sind z.B. in den sogenannten Laws of UX beschrieben – psychologische Regeln, die erklären, wie Nutzer Informationen verarbeiten, Entscheidungen treffen und Vertrauen aufbauen. Wer diese Prinzipien nutzt, gestaltet Remarketing nicht nur effektiver, sondern auch nutzerzentrierter.
Mere-Exposure-Effekt (Jakob’s Law)
Je häufiger Nutzer mit einem Unternehmen in Kontakt kommen, desto vertrauter und positiver wird es wahrgenommen. Wiederholte Sichtbarkeit durch Remarketing sorgt dafür, dass potenzielle Kunden sich sicherer fühlen – eine wichtige Voraussetzung für spätere Conversions und Leads.
Fitts’s Law
Laut Fitts’s Law hängt die Interaktionsgeschwindigkeit davon ab, wie leicht ein Element erreichbar ist. Im Remarketing bedeutet das: Call-to-Actions müssen auffällig, verständlich und leicht klickbar sein – besonders bei mobilen Endgeräten. Eine klare Struktur erleichtert die Entscheidung.
Hick’s Law
Zu viele Optionen führen zu Entscheidungslähmung. Remarketing funktioniert besser, wenn es gezielt ein klares Angebot oder eine konkrete Handlungsaufforderung kommuniziert – statt Nutzer erneut mit einer Produktvielfalt zu überfordern.
Von-Restorff-Effekt
Was sich abhebt, bleibt im Gedächtnis. Eine Remarketing-Anzeige mit ungewöhnlicher Gestaltung oder emotionalem Wording fällt auf – und sorgt dafür, dass sich Nutzer daran erinnern, auch wenn sie nicht sofort klicken.
Zeigarnik-Effekt
Menschen erinnern sich besser an unterbrochene Aufgaben. Wenn ein Nutzer einen Kauf abgebrochen hat, bleibt dieser „offene Loop“ im Kopf – und eine gezielte Erinnerung per E-Mail oder Anzeige kann den Impuls zur Rückkehr verstärken.
Social Proof (nicht Teil der UX-Laws, aber bewährt)
Bewertungen oder Testimonials schaffen Vertrauen. Sie zeigen: Andere waren schon da und hatten eine gute Erfahrung – das reduziert Unsicherheit und erhöht die Bereitschaft zur Interaktion.
Wie Unternehmen psychologische Prinzipien im Remarketing nutzen
Die Theorie allein bringt wenig – entscheidend ist, was in der Praxis angewendet wird. Erfolgreiches Remarketing setzt nicht auf wahllose Wiederholung, sondern auf gezielte, nutzerzentrierte Kommunikation im richtigen Moment.
Wir als Growth Marketing Agentur analysieren z.B. das Verhalten der Website-Besucher und setzen dort an, wo das Interesse erkennbar, aber die Entscheidung noch offen ist. Der Zeitpunkt der Ansprache ist dabei entscheidend: Eine sofortige Erinnerung nach einem Kaufabbruch wirkt anders als eine Reaktivierung nach mehreren Wochen. Beides kann funktionieren – wenn die Botschaft zum Kontext passt.
Besonders wirkungsvoll ist die Kombination aus Personalisierung (z.B. mit E-Mail-Remarketing) und sozialem Beweis: Individuelle Produktempfehlungen, ergänzt durch echte Bewertungen, erhöhen die Relevanz und schaffen Vertrauen.
So wird Remarketing nicht zum Störfaktor, sondern zur gezielten Unterstützung im Entscheidungsprozess – auf Basis psychologischer Mechanismen, die wirken, weil sie menschlich sind.
Grenzen und Verantwortung im Remarketing
Psychologische Effekte können mächtig sein – umso wichtiger ist ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang damit. Remarketing sollte Nutzer nicht unter Druck setzen oder sie mit ständiger Wiederholung überfordern. Wer zu oft oder zu aufdringlich erinnert, riskiert Ablehnung statt Interesse.
Wirkungsvolles Remarketing setzt auf Vertrauen, nicht auf Manipulation. Transparente Kommunikation, echte Mehrwerte und die Möglichkeit, sich bewusst gegen weitere Ansprache zu entscheiden, gehören dazu. Auch der Datenschutz spielt eine zentrale Rolle: Nutzer wollen verstehen, warum sie eine bestimmte Nachricht sehen – und dass ihre Daten respektvoll behandelt werden.
Nur wenn psychologische Prinzipien mit Augenmaß eingesetzt werden, entsteht ein positives Nutzererlebnis, das langfristig wirkt – für beide Seiten.
Mit Daten und psychologischem Feingefühl Nutzer zurückholen
Remarketing wirkt – wenn es auf die richtigen Prinzipien setzt. Psychologische Effekte wie Vertrautheit, Reziprozität oder soziale Bestätigung helfen dabei, Nutzer gezielt und wirkungsvoll zur Rückkehr zu bewegen. Entscheidend ist dabei nicht der Druck, sondern das Feingefühl: Wer den richtigen Moment trifft und relevante Inhalte bietet, schafft Vertrauen und fördert die Entscheidung.
Bei KLIXPERT.io nutzen wir dieses Wissen, um Remarketing-Strategien zu entwickeln, die nicht nur funktionieren, sondern sich auch gut anfühlen – für Unternehmen und Nutzer. Wir kombinieren datenbasiertes Performance Marketing mit einem tiefen Verständnis für Nutzerverhalten und helfen dir dabei, aus potenziellen Kunden echte Kunden zu machen.